Klettern
Zu zweit im Klettergarten!
In einer Turnhalle machen sich Schüler:innenpaare auf ein Abenteuer, bei dem sie gemeinsam drei von vier vorbereiteten Hindernissen überwinden müssen.
Das erste Hindernis ist für alle Teams gleich und muss verpflichtend absolviert werden. Die beiden nächsten Hindernisse werden ausgelost und können in beliebiger Reihenfolge gemeistert werden. Für das Überwinden der Hindernisse ist Zusammenarbeit erforderlich.
Die Abenteurerinnen und Abenteurer müssen sich austauschen und einander gegenseitig helfen.
Das Projekt wurde von Cédric Pürro (Universität Freiburg) & Julien Roy (Universität Freiburg) erarbeitet und realisiert
Expertin: Ilaria Ferrari (PH Zürich)
Projektbeschreibung zum Download
Erwartete Kompetenz am Ende der Unterrichtseinheit
Vorstellung des Themas und erste Analysen
Kompetenzbereich (Thematik) Bewegen an Geräten
Referenzsportart Klettern
SACHANALYSE
Klettern und sich in der Höhe fortbewegen beziehen sich auf die Sportart Sportklettern. Diese kann in Hallen an künstlichen Wänden oder draussen an natürlichen Felswänden verschiedener Höhen und Schwierigkeitsgraden ausgeübt werden. Es gibt diverse Stile und Arten des Kletterns – mit oder ohne Sicherungsausrüstung (Mehrseillängenrouten, Bouldern, Speedklettern, usw.). Meistens wird Klettern mit einer Partnerin oder einem Partner ausgeübt, was die notwendige Sicherheit gewährleistet. Diese Disziplin erfordert motorische Fähigkeiten wie Koordination, Kraft und Beweglichkeit, aber auch überfachliche Kompetenzen wie Risikomanagement und Umgang mit Angst; ausserdem erfordert sie Vertrauen in die Partnerin oder den Partner.
Auf der Stufe 1-2H sollte der Unterricht in dieser Disziplin vor allem darauf abzielen, die Schülerinnen und Schüler (SuS) darin zu unterstützen, eigene Grenzen zu überwinden, mit Angst umzugehen sowie das Helfen und Sichern der Partnerin oder des Partners zu erlernen. Ein weiteres Ziel besteht darin, die motorischen Fähigkeiten der SuS zu stärken und zu verbessern, damit sie sich Schritt für Schritt immer sicherer und zielgerichteter «in der Höhe» bewegen können. Der häufige Einsatz der Sprossenwand bietet sich an, da diese eine zugängliche vertikale Wand für Kinder der Stufe 1-2H darstellt.
Die auf den folgenden Seiten dargestellte Anwendungssituation ist als Vorschlag in Form einer komplexen Aufgabe zu verstehen, welche nach dem kompetenzorientierten Ansatz erarbeitet wurde. Dabei kann (oder muss manchmal auch) inhaltlich das eine oder andere verändert oder ergänzt werden, um es an die schulische Situation anzupassen. Dennoch soll die Komplexität dieser Anwendungssituation nicht zu stark modifiziert werden. Der Erwerb des Wissens und der Fertigkeiten, die für die Erreichung der angestrebten Kompetenz erforderlich sind, bedingt eine lange Lernzeit (8 bis 10 Stunden), welche sich in der Regel auf mehrere aufeinander folgende Doppellektionen verteilt.
KOMPETENZSTUFEN GEMÄSS LP21
Kompetenzstufe BS.2.A.1.4a
Die SuS können sich stützend und hangelnd an Geräten bewegen.
Kompetenzstufe BS.2.A.1.5a
Die SuS können Wagnissituationen wahrnehmen und Emotionen benennen (z.B. Freude, Angst).
Kompetenzstufe BS.2.A.1.6a
Die SuS können einander führen (z.B. mit taktilen, akustischen, visuellen Signalen).
ÜBERFACHLICHE KOMPETENZEN GEMÄSS LP21
Soziale Kompetenzen (Dialog- und Kooperationsfähigkeit: Sich mit Menschen austauschen, zusammenarbeiten)
- Die SuS können auf Meinungen und Standpunkte anderer achten und im Dialog darauf eingehen.
Personale Kompetenzen (Selbstreflexion: eigene Ressourcen kennen und nutzen)
- Die SuS können auf ihre Stärken zurückgreifen und diese gezielt einsetzen.
Methodische Kompetenzen
- Die SuS können einschätzen, wie schwer oder leicht ihnen die Aufgaben/Problemlösungen fallen werden.
PÄDAGOGISCHE PERSPEKTIVEN
Im Zentrum dieses Projekts stehen drei Perspektiven:
In der Perspektive Wagnis, lernen die SuS das realistische Einschätzen von Wagnissituationen. Im Miteinander soll ein kooperatives Verhalten aufgebaut und umgesetzt werden. Bei der Leistung geht es darum, sich Herausforderungen zu stellen und sie zu erfüllen.
VORAUSSETZUNG DER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER
- Die SuS können Matten, Bänke und Kästen aufbauen und wieder wegräumen.
Beschreibung der Anwendungssituation
Kurze Vorstellung Der Anwendungssituation
Zu zweit begeben sich die SuS auf ein Abenteuer und überwinden drei der vier von der Lehrperson vorgeschlagenen Hindernisse:
- Querung der Felswand;
- Überklettern eines Felsblocks;
- Flussüberquerung;
- Aufstieg zum Gipfel.
LERNZIELE
Die SuS:
- können sicher, flüssig und präzise klettern sowie Hindernisse überwinden.
- können Hilfestellungen anwenden um Sicherheit zu gewährleisten und das Hindernis erfolgreich zu bewältigen.
- können eigene Ängste überwinden und persönliche Grenzen erweitern.
- können sich austauschen, um gemeinsam eine passende Lösung zu finden.
RAHMENBEDINGUNGEN (REGELN, VORSCHRIFTEN UND ORGANISATION)
ANWEISUNGEN DER LEHRPERSON UND ORGANISATION
Die Zweierteams werden nach dem Zufallsprinzip ausgelost (z. B. mit Memory-Karten), danach wird die Klasse in drei Gruppen aufgeteilt. Eine der drei Gruppen bewegt sich im Klettergarten. Gleichzeitig beschäftigen sich die beiden anderen Gruppen selbstständig mit zusätzlichen Aufgaben (siehe Organisationsformen auf S. 8). Die Paare überwinden die Hindernisse nacheinander. Vor ihrem Durchgang ziehen beide Kinder jeweils eine Karte mit der Abbildung von Posten 2, 3 oder 4 (siehe Karten zum Ausschneiden auf S. 27). Anschliessend beginnen sie mit dem Posten 1 und absolvieren danach die beiden anderen Posten in der Reihenfolge ihrer Wahl.
Sobald alle Zweierteams einer Gruppe ihre drei Posten absolviert haben, wird die nächste Gruppe aufgerufen.
Bei einer ungeraden Anzahl von SuS macht ein Kind in zwei Teams mit.
BESCHREIBUNG DER POSTEN UND DER AUFGABEN
Posten 1: Querung der Felswand
Ausgehend von jeweils einem eigenen Reifen, wählen die Kinder einen Gegenstand (blaues Spielband, Teller oder Tennisball), den sie auf beliebige Weise transportieren. Dann queren sie die Sprossenwand in Richtung des gegenüberliegenden Reifens. Während der Querung müssen beide Kinder mit den Händen alle Spielbänder derselben Farbe berühren. Um den einfachen Weg zu absolvieren, folgen sie den «Äpfeln» (gelbe Spielbänder).
Für den schwierigen Weg folgen sie den «Kirschen» (rote Spielbänder). In der Mitte der Querung müssen sich die Kinder wie folgt kreuzen: eines der beiden Kinder lehnt sich flach gegen die Sprossenwand, während das andere hinter seinem Rücken vorbeiklettert – und zwar auf derselben Höhe.
Bevor sie mit dem Klettern beginnen sollen die Kinder besprechen, welchen Weg sie wählen (Äpfel oder Kirschen) und wer wem ausweicht.
Vorschlag zur Markierung der Kletterwege: Die roten («Kirschen») und gelben («Äpfel») Spielbänder werden um die Sprossenwand gewickelt und mit einem Knoten befestigt.
Posten 2:
Überklettern eines Felsblocks Vom Startreifen aus überwindet das erste Kind den Felsen (einen Kasten mit fünf Elementen) über die breite Seite und gelangt in den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite. Das zweite Kind darf seinem Partner oder seiner Partnerin beim Auf- und Absteigen vom Felsen helfen. Nachdem das Hindernis überwunden wurde, tauschen die Kinder die Rollen.
Wenn die Aufgabe zu leicht ist, kann ein zusätzlicher Kasten mit sechs Elementen überwundenwerden – je nach verfügbarem Material.
Posten 3:
Flussüberquerung Vom Startreifen aus müssen die beiden Kinder abwechselnd den Fluss überqueren, um den Reifen auf dem gegenüberliegenden «Ufer» zu erreichen. Dazu verwenden sie die drei Paar Ringe, die möglichst tief eingestellt sind. Das Kind, das überquert, darf von seiner Partnerin oder seinem Partner unterstützt werden – das helfende Kind darf dabei im «Fluss» laufen.
Posten 4:
Aufstieg zum Gipfel Beide Kinder halten je ein Ende eines Springseils in der Hand und bilden so eine Seilschaft. Achtung, das Seil darf nicht um die Hand gewickelt werden – es soll nur fest gehalten werden! Vom Startreifen am Fuss der schräg aufgestellten und umgedrehten Schwedenbank aus beginnt das Zweierteam den Aufstieg zum Gipfel des Kastens. Dabei klettern sie hintereinander entweder über die schmale oder die breite Seite der Bank nach oben. Oben angekommen, überquert die Seilschaft den «Gebirgskamm» auf eine beliebige Art und Weise. Danach steigen sie über die schmale Seite des Kastens wieder hinunter – wie bei einer Leiter. Die Aufgabe ist erfüllt, wenn beide Kinder mit beiden Füssen im Zielreifen stehen. Wichtig: während des gesamten Wegs darf das Seil nicht losgelassen werden!
BENÖTIGTES MATERIAL
- Sprossenwand
- 3 Ringpaare
- 10-12 Matten
- 1 Langbank
- 2-3 Schwedenkasten
- 8 Reifen
- 6 Tennisbälle
- 6 Markierteller
- 18 Spielbänder (6 blaue, 6 gelbe, 6 rote)
BEURTEILUNGSVERFAHREN
Die Lehrperson beobachtet jeweils ein Zweierteam, um sich gezielt auf die festgelegten Kriterien konzentrieren zu können.
Planungsübersicht Der Unterrichtseinheit
Da das Handlungsniveau der SuS innerhalb einer Klasse sehr heterogen sein kann, ist das Lerntempo weder vorhersehbar noch kann es vorgeschrieben werden. Deshalb soll dieses Beispiel einer tabellarischen Planung nicht als «schlüsselfertig» betrachtet werden.
Aufgabenvorschläge
Einstieg ins Projekt
Das Projekt kann durch eine bekannte oder erfundene Geschichte eingeleitet werden – zum Beispiel rund um das Thema Abenteuer oder Berge – oder durch ein Rollenspiel. Die Lehrperson legt Bilder oder Fotos im Raum aus, die als Impuls für freies Spiel dienen.
Erinnerung betreffend Sicherheit
Um die Sicherheit der Kinder bestmöglich zu gewährleisten, ist ein sorgfältiger und korrekter Aufbau des Materials notwendig. Ebenso wichtig sind klare Anweisungen dazu, was erlaubt ist und was nicht. Zusätzlich sollte mit den Kindern über mögliche Risiken und über ein angemessenes Verhalten gesprochen werden.
Ein gutes Klassenklima soll das Einhalten der Sicherheitsregeln und gegenseitige Unterstützung begünstigen.
Spezifische Organisationsformen
Während der Unterrichtseinheit kann es sinnvoll sein, gelegentlich Spiele anzubieten, die die Kinder selbstständig durchführen können – etwa, wenn die Lehrperson einzelne Kinder beobachten möchte oder das Material nur für eine halbe Klasse gleichzeitig reicht. Spielideen finden sich im Abschnitt Unterrichtshilfen für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen.
ROJEKTBEZOGENE AUFGABENVORSCHLÄGE
Die folgenden Aufgaben werden in einem speziellen Dokument ausführlicher beschrieben. Diese sind in der Rubrik Unterrichtshilfen für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen zu finden.
Ziel dieser Aufgabe ist es, auf verschiedene Geräte zu klettern und sich dort fortzubewegen.
Innerhalb eines Kreises aus verschiedenen Geräten und Lastwagen, Leitern oder Stege, wird ein Feuer durch orange Matten (oder rote Reifen) symbolisiert. Die Kinder sollen dieses Feuer löschen, indem sie verschiedene Rollen übernehmen:
- Team 1: Feuerwehrleute auf den Lastwagen (Kasten)
- Team 2: Feuerwehrleute auf den Leitern (Sprossenwand)
- Team 3: Feuerwehrleute auf der Brücke (Bänke)
- Team 4: Hilft den Feuerwehrleuten, auf die verschiedenen Geräte zu steigen
Es gibt mehrere Szenarien mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, um das Feuer im Team zu löschen.
Abenteuer macht zu zweit mehr Spass!
Ziel dieser Aufgabe ist es, die Bewegungen der anderen wahrzunehmen und deren Entscheidung zu akzeptieren.
In Form einer Stafette mit vier Kolonnen sollen die Kinder einen Gegenstand in den Händen transportieren. Durch angepasste Regeln und zusätzliche Hindernisse wird die Aufgabe schrittweise erschwert, um ein immer höheres Mass an Zusammenarbeit zu fördern.
Die Kinder machen einen Spaziergang im Wald: Sie bewegen sich auf Baumstämmen (umgedrehte Bänke), balancieren auf Ästen (Seile), laufen durch Pfützen (Reifen) und klettern auf Bäume (Sprossenwand).
Im Laufe der Waldspaziergänge – mit demselben Material – wird von den Zweierteams ein immer höheres Mass an Zusammenarbeit verlangt.
Herausforderungen im Abenteuerpark
In der Turnhalle versuchen die Kinder, eine bestimmte Anzahl von Herausforderungen zu meistern, welche sich auf 10 Posten verteilen (Auswahl durch die Lehrperson).
Jeder Posten bietet Varianten mit steigendem Schwierigkeitsgrad (leicht, mittel, schwer), welche durch ein festgelegtes Farbsystem gekennzeichnet sind.
Jede Herausforderung kann beliebig oft wiederholt werden, bis sie sicher und flüssig gelingt.
Für die Durchführung stehen verschiedene Organisationsformen zur Auswahl.
Bibliografische Hinweise, Weblinks und Musiknachweise
LITERATUR
- Baumann, H. (2016). Mut tut gut! Ingold.
- Baumann, H. (2013). Mut tut gut. Mobilesport.ch, (11/2013). https://assets01.sdd1.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2013/11/11_13_Mut_tut_gut_def.pdf
- Lüthy, P. (2020). Berglandschaften in der Halle erklimmen. Etwas wagen. Grundschule Sport (28). Friedrich Verlag.