Laufen, Springen, Werfen
Die 4 Jahreszeiten
In einer zweigeteilten Turnhalle nehmen die Schülerinnen und Schüler (SuS), je nach Jahreszeit, an Aktivitäten aus den Bereichen Laufen, Springen und Werfen teil.
Im Winter gibt es Schneeballschlachten.
Im Frühling sorgen die ersten starken Gewitter für Pfützen in den Gärten, in die die Kinder begeistert hineinspringen.
Im Sommer, während der Ferien am Meer, ist der Sand manchmal so heiss, dass die Kinder schnell zu ihren Badetüchern laufen müssen.
Im Herbst, nach dem Schulbeginn, spielen die Kinder in der Pause frei mit ihren neuen Freundinnen und Freunden.
Das Projekt wurde erarbeitet und realisiert von
Cédric Pürro (Universität Freiburg) & Julien Roy (Universität Freiburg)
Expertin: Ilaria Ferrari (PH Zürich)
Projektbeschreibung zum Download
Erwartete Kompetenz am Ende der Unterrichtseinheit
Vorstellung des Themas und erste Analysen
Kompetenzbereich Laufen, Springen, Werfen
Referenzsportart Leichtathletik
SACHANALYSE
Die Leichtathletik ist eine sehr vielseitige Sportart, die sowohl im Freien als auch in der Halle ausgeübt wird. Sie umfasst Sprintdisziplinen (60 m bis 400 m), Hürdenläufe (60 m bis 400 m), Mittelstreckenläufe (800 m bis 1500 m), Langstreckenläufe (3000 m bis Marathon), Sprungdisziplinen (Weit-, Hoch-, Dreiund Stabhochsprung), Wurfdisziplinen (Kugelstossen, Speerwurf, Diskuswurf, Hammerwurf) sowie Mehrkämpfe (Siebenkampf, Zehnkampf).
Für die meisten Disziplinen – mit Ausnahme des Langstreckenlaufs – ist die Schnellkraft eine zentrale konditionelle Fähigkeit, um gute Leistungen zu erzielen. Auch koordinative Fähigkeiten spielen in vielen leichtathletischen Disziplinen eine wichtige Rolle, insbesondere die Rhythmisierungsfähigkeit beim Absprung oder Anlauf, sowie die Reaktionsfähigkeit in den Sprintdisziplinen.
Auf der Stufe 1-2H soll Laufen, Springen, Werfen vor allem spielerische Elemente enthalten, die es den SuS ermöglichen, grundlegende Techniken des Laufens, Springens und Werfens zu entdecken und aufzubauen sowie koordinative Fähigkeiten allgemein zu entwickeln.
Bei den vorgeschlagenen Aufgaben liegt der Schwerpunkt auf Sprünge in die Weite oder das schnell Laufen, wobei hier auf formelle Leistungsüberprüfungen verzichtet wird. Im Sprint wird die Stoppuhr ersetzt durch eine subjektive Einschätzung der Reaktionsfähigkeit auf das Startsignal und der Bereitschaft, mit maximaler Geschwindigkeit zu laufen.
Die auf den folgenden Seiten dargestellte Anwendungssituation ist als Vorschlag in Form einer komplexen Aufgabe zu verstehen, welche nach dem kompetenzorientierten Ansatz erarbeitet wurde. Dabei kann (oder muss manchmal auch) inhaltlich das eine oder andere verändert oder ergänzt werden, um es an die schulische Situation anzupassen. Dennoch soll die Komplexität dieser Anwendungssituation nicht zu stark modifiziert werden. Der Erwerb des Wissens und der Fertigkeiten, die für die Erreichung der angestrebten Kompetenz erforderlich sind, bedingt eine lange Lernzeit (8 bis 10 Stunden), welche sich in der Regel auf mehrere aufeinander folgende Doppellektionen verteilt.
Bei den Sprüngen und Würfen kann die Distanzmessung durch eine Punktebewertung ersetzt werden. Mehrere unterschiedlich weit entfernte Zielzonen, markiert mit Markierungstellern, Klebeband oder Kreide (je weiter die Zone entfernt ist, desto mehr Punkte gibt es), ermöglichen eine einfache und anschauliche Beurteilung der Leistung.
KOMPETENZSTUFEN GEMÄSS LP21
Kompetenzstufe BS.1.A.1.1A
Die SuS können schnell laufen (z.B. Fangspiele, auf ein Signal weglaufen).
Kompetenzstufe BS.1.B.1.2a
Die SuS können einbeinig und beidbeinig in die Weite springen.
Kompetenzstufe BS.1.C.1.1a
Die SuS können Gegenstände in die Weite werfen.
ÜBERFACHLICHE KOMPETENZEN
Personale Kompetenzen (Selbstreflexion: Eigene Ressourcen kennen und nutzen)
- Die SuS können Fehler analysieren und über alternative Lösungen nachdenken.
- Die SuS können eigene Einschätzungen und Beurteilungen mit solchen von aussen vergleichen und Schlüsse ziehen (Selbst- und Fremdeinschätzung).
Methodische Kompetenzen (Aufgaben/Probleme lösen: Lernstrategien erwerben, Lern- und Arbeitsprozesse planen, durchführen und reflektieren)
- Die SuS können einschätzen, wie schwer oder leicht ihnen die Aufgaben/Problemlösungen fallen werden.
PÄDAGOGISCHE PERSPEKTIVEN
In der Perspektive Leistung können die SuS beim schnellen Laufen, weiten Springen und gezielten Werfen Erfolgserlebnisse erfahren. Bei der Perspektive Gesundheit erleben sie zudem Bewegung als freudvolle Aktivität und entwickeln grundlegende koordinative und motorische Fähigkeiten.
VORAUSSETZUNG DER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER
Die SuS:
- können die Zahlenfolge von 1 bis 5 nennen;
- können selbstständig spielen.
Beschreibung der Anwendungssituation
KURZE VORSTELLUNG DER ANWENDUNGSSITUATION
In der einen Hallenhälfte werden unter Anleitung der Lehrperson Aufgaben zu drei der vier Jahreszeiten (Winter, Frühling, Sommer) durchgeführt. In der anderen Hallenhälfte wird zur letzten Jahreszeit (Herbst) gespielt.
Zu den vier Jahreszeiten führen die SuS unterschiedliche Aufgaben aus:
- Im Winter – Schneeballschlacht: einen Ball (Tennisball) mit jeder Hand werfen;
- Im Frühling – Sprung in die Pfützen: drei Sprünge über drei verschiedene Hindernisse;
- Im Sommer – Lauf über den heissen Sand: sechs kurze Sprints;
- Im Herbst – Spielen mit Freund:innen: freie bzw. angeleitete Spielposten.
Schematische Darstellung
LERNZIELE
Die SuS können:
- einen kleinen Gegenstand einhändig mit einer Überkopfbewegung werfen.
- zwischen dem «stärkeren» und dem «schwächeren» Arm unterscheiden.
- einen Anlauf mit einem einbeinigen Absprung verbinden, um weit zu springen.
- auf ein Signal rasch reagieren und auf einer kurzen Distanz mit maximaler Geschwindigkeit laufen.
RAHMENBEDINGUNGEN (REGELN, VORSCHRIFTEN UND ORGANISATION)
ANWEISUNGEN DER LEHRPERSON UND ORGANISATION
In einer Hallenhälfte ist das Material für die Winter-, Frühlings- und Sommeraktivitäten aufgebaut. Es wird empfohlen, alles gemäss der schematischen Darstellung (siehe Seite 3) aufzubauen. In der anderen Hallenhälfte befindet sich die Herbstaktivität, die von den SuS selbstständig durchgeführt wird.
Während ein Teil der SuS an der Herbstaufgabe ist, werden jeweils sechs SuS aufgerufen, um die drei anderen Jahreszeitenaufgaben zu absolvieren. Die Winter- und Frühlingsaufgaben werden nacheinander einzeln durchgeführt. Anschliessend absolvieren alle sechs SuS gleichzeitig die Sommeraufgabe, wobei jedes Kind einen Reifen als Startpunkt wählt. Die Lehrperson beobachtet dabei jeweils ein anderes Kind auf demselben Streckenabschnitt.
Bei Bedarf erinnert die Lehrperson an die Aufgabenstellung. Nach Abschluss der drei Aktivitäten wechseln die beobachteten SuS zur Herbstaufgabe und die nächsten sechs SuS werden aufgerufen.
BESCHREIBUNG DER POSTEN UND DER AUFGABEN
Winter: Schneebälle werfen
Unterscheidung von linker und rechter Hand bei den SuS
Zu Beginn der Lektion markiert die Lehrperson die rechte Hand der SuS mit einem roten Punkt und die linke Hand mit einem grünen Punkt. Den SuS sollte klar sein, aus welchem Reifen sie mit der schwächeren Hand bzw. mit der stärkeren Hand werfen können (unterschiedliche Distanz).
«Es ist Winter, juhu, es hat Schnee! Versuchen wir, mit jeder Hand einen Schneeball über die Mauer zu werfen!»
Die SuS erhalten zwei Tennisbälle: einen in der linken und einen in der rechten Hand. Anschliessend wählen sie einen ersten Wurfposten (Reifen), in dem mindestens ein Fuss platziert werden muss. Ohne Anlauf werfen sie den Ball mit der rechten Hand (roter Punkt) über die «Mauer», die durch eine Klebebandlinie (oder Post-Its) in etwa 1,80 m Höhe an der Hallenwand markiert ist. Danach gehen die SuS zu einem anderen Reifen und werfen den zweiten Ball mit der linken Hand (grüner Punkt). Anschliessend holen sie beide Bälle und legen sie in die Kiste zurück.
Frühling: in die Wasserpfützen springen
«Es ist Frühling. Die Blumen wachsen, aber dieses Jahr gibt es auch starke Gewitter. Im Garten haben sich viele Pfützen gebildet. Super – springen wir hinein! Aber ohne die Blumen zu zertrampeln!»
Die SuS führen der Reihe nach drei Weitsprünge über drei unterschiedliche Hindernisse (Blumen) aus, die sie selbst auswählen (3 aus 6 Hindernissen). Bei jedem Sprung erfolgt der Anlauf schnell und ohne Unterbrechung. Die Landung erfolgt beidbeinig gleichzeitig in der «Pfütze» (Reifen).
Sommer: im heissen Sand rennen
«Wir sind am Strand und der Sand ist unglaublich heiss. Zum Glück gibt es einige Plätze mit Badetüchern (Reifen). Bei jedem Signal versuchen wir, so schnell wie möglich das nächste Badetuch zu erreichen. Die Richtung wird durch den Pfeil angezeigt, der in allen 6 Reifen aufgeklebt ist. Wenn wir wegen unsere Geschwindigkeit nicht sofort anhalten können, dürfen wir nach dem Reifen noch ein paar Schritte weiterlaufen, müssen aber danach schnell wieder in den Reifen zurückkehren.»
Zu Beginn stellt sich jedes Kind in einen unterschiedlichen Reifen und schaut auf die Richtig des Pfeils im Reifen, die anzeigt, zu welchem Reifen sie bzw. er beim Startsignal (Pfiff oder «LOS») laufen muss. Die Lehrperson gibt jeweils ein neues Startsignal. Jedes Kind absolviert einen vollständigen Durchgang, bis es wieder beim Ausgangsreifen angekommen ist. Zwischen den Läufen wird eine kurze Pause eingelegt, die von der Lehrperson vorgegeben wird.
Herbst: auf dem Pausenplatz spielen (selbstständig spielen)
«Es ist Herbst und wir geniessen es, mit unseren neuen Klassenkamerad:innen auf dem Pausenplatz zu spielen. Die Lehrpersonen freuen sich, wenn wir gemeinsam spielen können, ohne dass sie eingreifen müssen. Zeigen wir ihnen, dass wir das schaffen!»
Die SuS spielen selbstständig bekannte Spiele (siehe Beispiele im Abschnitt «Unterrichtshilfen für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen»).
BENÖTIGTES MATERIAL
- 6 Reifen
- ca. 40 farbige Markierteller
- 12 kleine Markierkegel
- Tennisbälle
- Klebeband oder Post-It
- 2 Filzstifte (rot und grün)
- 6 Pfeile zum ankleben
- Verschiedenes Material für die Spiele im «Herbst»
Planungsübersicht Der Unterrichtseinheit
Da das Handlungsniveau der SuS innerhalb einer Klasse sehr heterogen sein kann, ist das Lerntempo weder vorhersehbar noch kann es vorgeschrieben werden. Deshalb soll dieses Beispiel einer tabellarischen Planung nicht als «schlüsselfertig» betrachtet werden.
Aufgabenvorschläge
Einstieg in das Projekt
Das Projekt kann durch eine bekannte oder erfundene Geschichte eingeführt werden, beispielsweise zum Thema Jahreszeiten, oder durch ein Rollenspiel bzw. Fantasiespiel. Die Lehrperson legt dazu Bilder oder Fotos in der Halle aus, die als Impulse für das freie Spiel dienen.
Zu Beginn einige Hinweise zur Technik von spezifischen Bewegungen
WERFEN
- Der Ballwurf ähnelt dem Speerwurf: Deshalb ist es wichtig, den SuS Gegenstände anzubieten, die gut in der Hand gehalten werden können (keine grossen Bälle, sondern z.B. Tennis- oder Unihockeybälle, Badmintonfederbälle oder Papierkugeln).
- Für eine grössere Bewegungsweite werden die Füsse versetzt positioniert: SuS, die den Ball in der rechten Hand halten, stellen den linken Fuss nach vorne; bei der linken Hand entsprechend den rechten Fuss. Die freie Hand zeigt dabei in Wurfrichtung.
SPRINGEN
- Ein schneller und durchgehender Anlauf bildet die Grundlage für weite Sprünge.
- Das Anheben des freien Knies beim Absprung ermöglicht eine längere Flugphase.
- Bei allen Sprungformen in diesem Projekt erfolgt die Landung gleichzeitig auf beiden Füssen. Die SuS sollen dabei die Knie beugen, um die Landung abzufedern und den Rücken zu schützen.
REAGIEREN UND SCHNELL LAUFEN
- Da der Start durch ein akustisches Signal ausgelöst wird, müssen die SuS aufmerksam sein, um möglichst schnell darauf zu reagieren. Der Blick ist dabei auf das Ziel gerichtet.
Wichtiger Hinweis
Die in diesem Projekt vorgeschlagene Anwendungssituation sowie die auf der folgenden Seite zusammengefassten Aufgaben (die im weiteren Verlauf des Dossiers ausführlich beschrieben werden) können zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Unterrichtseinheit eingesetzt werden. Sie bieten der Lehrperson die Möglichkeit einer kontinuierlichen Beobachtung der SuS sowie der Identifikation der weiteren Fähigkeiten und Kompetenzen, die für ihren Lernfortschritt notwendig sind.
Phasen des Ausprobierens sowie Reflexions- und Austauschmomente mit den SuS über die verwendeten «Techniken» und deren Einfluss auf die Leistung sind für den Kompetenzerwerb zentral. Falls es eine diagnostische Beurteilung erfordert, kann die Dauer des Projekts verlängert werden, um zusätzliche Zeit für das Experimentieren und Üben der verschiedenen motorischen Fertigkeiten einzuplanen.
Diese Aufgaben sowie weitere Vorschläge befinden sich im Abschnitt «Unterrichtshilfen für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen»
Vorbereitung auf die 4 Jahreszeiten
Diese Situation dient dazu, den SuS die Aufgaben der Anwendungssituation vorzustellen. In zwei getrennten Phasen können sich die SuS mit den für die vier Jahreszeiten erwarteten Bewegungsformen (Sprint, Sprünge und Würfe) vertraut machen.
«Wir sind am Strand und der Sand ist glühend heiss. Wir absolvieren nun einen Parcours und versuchen, möglichst wenig Zeit auf dem heissen Sand zu verbringen. Zum Glück gibt es Orte, an denen wir kurze Pausen machen können.»
Der Parcours fördert den Sprint sowie den Weitsprung.
In dieser Aktivität ermöglichen mit Kreide markierte Landungszonen auf den Matten den SuS, ihre Sprungweite sichtbar wahrzunehmen. So können sie sich gegenseitig herausfordern und unterstützen und versuchen, immer weiter zu springen.
In dieser Aufgabe müssen die SuS die Distanz wählen, aus der sie in der Lage sind, …
... einen kleinen Ball in eine Zielzone an der oberen Wand zu werfen.
Hindernisse überspringen
Ein Teil der SuS sitzt mit ausgestreckten Beinen am Boden. Diese dienen den anderen SuS als Hindernisse zum Überspringen.
Nach jedem Hindernis befindet sich eine Landungszone (Reifen), deren Distanz variieren kann. Die SuS führen mehrere Sprünge nacheinander aus und schätzen dabei ein, welche Distanz sie überspringen können, um Hindernisse zu wählen, die ihren Fähigkeiten entsprechen.
Bibliografische Hinweise, Weblinks und Musiknachweise
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurden die Hyperlinks zu den Originalquellen der Abbildungen mithilfe des auf https://urlz.fr verfügbaren Werkzeugs gekürzt.
- Abbildung 1, S. 8: Werfen mit einer Hand, gesichtet auf https://urlz.fr/tTbP.
- Abbildung 2, S. 8: Weit springen auf einem Bein, gesichtet auf https://urlz.fr/tTcm.
- Abbildung 3, S. 11: So schnell wie möglich laufen, gesichtet auf https://urlz.fr/tTdY.
- Abbildung 4, S. 28: Sommer, gesichtet auf https://urlz.fr/tTe6.
- Abbildung 5, S. 28: Winter, gesichtet auf https://urlz.fr/tTen.
- Abbildung 6, S. 28: Herbst, gesichtet auf https://urlz.fr/tTer.
- Abbildung 7, S. 28: Frühling, gesichtet auf https://urlz.fr/tTew