Lange Laufen
Laufrhythmus statt Pause
Diese Unterrichtseinheit beinhaltet eine Laufstrecke, welche alleine und eine andere, welche in der Gruppe gelaufen wird.
Ein Team aus vier Schülerinnen und Schülern (SuS) mit unterschiedlichen Leistungsniveaus entwickelt gemeinsam eine Laufstrategie. Ziel ist, dass jede Person möglichst lange ohne Unterbruch und in einem gleichmässigen Tempo laufen kann. Für das Teamergebnis zählt die insgesamt von allen Teammitgliedern gelaufene Zeit. Die Teammitglieder organisieren sich so, dass sie alleine, zu zweit oder als Gruppe laufen, damit jede Person ihre maximale individuelle Laufzeit ohne Gehen oder Anhalten erreicht.
Das Projekt wurde erarbeitet und realisiert von Serge Weber (HEP Vaud) & Stefan Leuenberger (HEP BEJUNE)
Expertin: Christelle Hayoz (Universität Freiburg)
Projektbeschreibung zum Download
Erwartete Kompetenz am Ende der Unterrichtseinheit
Vorstellung des Themas und erste Analysen
Kompetenzbereich (Thematik) Laufen, Springen, Werfen
Referenzsportart Laufen (Ausdauer)
SACHANALYSE
Die Ausdauer kann in unterschiedlichen Umgebungen und durch vielfältige Fortbewegungsarten trainiert werden. Aktivitäten im Freien fördern die Körperwahrnehmung, bieten mehr Raum und anspruchsvollere Terrains. Die Sporthalle hingegen bietet klare Orientierungspunkte für die Lernenden und erleichtert der Lehrperson die Organisation.
Das hier vorgestellte Projekt ist in erster Linie für die Durchführung im Freien in unterschiedlichen Geländen konzipiert, lässt sich jedoch problemlos auch in der Sporthalle umsetzen.
Das Projekt basiert auf dem Laufen. Es ist jedoch auch möglich, den SuS weitere Ausdauersportarten und -varianten aufzuzeigen, wie Gehen, Orientierungslauf 2 , Fahrradfahren, Schwimmen oder Skilanglaufen.
In jedem Fall ist es wichtig, den SuS ausreichend Zeit zu geben, an ihren konditionellen Fähigkeiten zu arbeiten, um den Unterschied zwischen Tempo und Ausdauer zu erkennen. Ziel ist es, unterschiedliche Laufformen – schnelles Laufen und ausdauerndes Laufen – technisch zu üben, um deren körperliche Unterschiede bewusst zu erfahren und das eigene Tempo an Umfeld, Bewegungsform und Ziel anzupassen.
In dieser Unterrichtseinheit wird vorgeschlagen – im Gegensatz zu den anderen PROJEBS-Projekten, mit den SuS zwölf Einzellektionen von 45 Min., statt sechs Doppellektionen durchzuführen, um über sechs Wochen hinweg sichtbare Fortschritte zu erzielen. Diese Entscheidung beruht auf dem Prinzip der Häufigkeit und Regelmässigkeit, die für die Entwicklung der Ausdauerfähigkeit notwendig sind.
1 In der Schweiz werden die Schulstufen mit dem HarmoS-Konkordat in drei Zyklen unterteilt und mit einer einheitlichen Zählweise (1H–11H) versehen: Zyklus 1 (Primarstufe): 1-2H Vorschulstufe/Kindergarten und 3-4H - Zyklus 2 (Primarstufe): 5-6H und 7-8H - Zyklus 3 (Sekundarstufe I): 9H, 10H und 11H.
2 Auf Seite 23 wird zum Orientierungslauf eine zielgerichtete Aufgabe vorgeschlagen.
Die auf den folgenden Seiten dargestellte Anwendungssituation ist als Vorschlag in Form einer komplexen Aufgabe zu verstehen, welche nach dem kompetenzorientierten Ansatz erarbeitet wurde. Dabei kann (oder muss manchmal auch) inhaltlich das eine oder andere verändert oder ergänzt werden, um es an die schulische Situation anzupassen. Dennoch soll die Komplexität dieser Anwendungssituation nicht zu stark modifiziert werden. Der Erwerb des Wissens und der Fertigkeiten, die für die Erreichung der angestrebten Kompetenz erforderlich sind, bedingt eine lange Lernzeit (8 bis 10 Stunden), welche sich in der Regel auf mehrere aufeinander folgende Doppellektionen verteilt.
Gemäss diesen Prinzipien wird vorgeschlagen, eine Art «Hausaufgabe im Sportunterricht» durchzuführen, das heisst die SuS sollen dazu motiviert werden, zusätzlich zu den zwei Sportlektionen pro Woche mindestens einmal wöchentlich zu laufen. So könnte – insofern die SuS mitmachen – eine sechswöchige Unterrichtseinheit mit je drei Laufeinheiten pro Woche entstehen. Unter diesen Bedingungen sind Fortschritte sehr wahrscheinlich und für die Lernenden gut spürbar.
Dabei verwenden die SuS ein Lerntagebuch, in diesem sie die verschiedenen Angaben zu ihrem Training festhalten, wie zum Beispiel ihren körperlichen Zustand, ihre Fortschritte und ihre Ergebnisse. Im ersten Teil des Lerntagebuchs steht eine formative Beurteilung zur Verfügung, welche während der gesamten Unterrichtseinheit als Basis dient. Die SuS nutzen das Trainingstagebuch sowohl im Unterricht als auch für ihre „Hausaufgabe“ zu Hause. Es wird nach jeder Trainingseinheit ausgefüllt. Der zweite Teil ist ein individueller Beurteilungsbogen, der am Ende der Unterrichtseinheit als summatives Beurteilungsinstrument verwendet wird.
KOMPETENZSTUFEN GEMÄSS LP21
Kompetenzstufe BS.1.A.1.2d
Die SuS können während einer längeren Laufbelastung die Laufgeschwindigkeit anpassen.
Kompetenzstufe BS.1.A.1.2e
Die SuS können ihr Alter in Minuten laufen und wissen, dass regelmässiges Trainieren für die Leistungssteigerung entscheidend ist.
ÜBERFACHLICHE KOMPETENZEN GEMÄSS LP21
Personale Kompetenzen (Selbstständigkeit)
- Die SuS können Strategien einsetzen, um eine Aufgabe auch bei Widerständen und Hindernissen zu Ende zu führen.
Soziale Kompetenzen (Dialog- und Kooperationsfähigkeit)
- Di SuS können je nach Situation eigene Interessen zu Gunsten der Zielerreichung in der Gruppe zurückstellen oder durchsetzen.
Methodische Kompetenzen (Aufgaben/Probleme lösen)
- Die SuS können Ziele für die Aufgaben und Problemlösungen setzen und Umsetzungsschritte planen.
PÄDAGOGISCHE PERSPEKTIVEN
- Miteinander: Die SuS erleben Ausdauerlauf als gemeinsame Herausforderung, bei der sie sich gegenseitig unterstützen, motivieren und Verantwortung füreinander übernehmen.
- Leistung: Die SuS setzen sich persönliche Leistungsziele, verfolgen diese systematisch und reflektieren ihre Fortschritte.
- Gesundheit: Die SuS lernen, Ausdauertraining als Mittel zur Förderung ihrer Gesundheit wahrzunehmen und verantwortungsvoll umzusetzen.
VORAUSSETZUNG DER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER
- Die SuS können fünf Minuten ohne anzuhalten laufen.
- Die SuS können mit Hilfe eines Beobachtungsrasters eine Mitschülerin oder einen Mitschüler beim Laufen beobachten.
Beschreibung der Anwendungssituation
KURZE VORSTELLUNG DER ANWENDUNGSSITUATION
Nach der diagnostischen Beurteilung (in der ersten Lektion) werden sechs Teams mit je vier SuS unterschiedlicher Leistungsniveaus gebildet, die während eines grossen Teils der Unterrichtseinheit zusammenarbeiten.
Auf einer möglichst langen Laufstrecke (in der Sporthalle entlang der wandnahen Linien, auf einem Aussengelände usw.) werden neun Markierungen (Stäbe, Hütchen, Teller usw.) aufgestellt, um die die SuS laufen. Alle SuS wählen individuell die Markierungen aus (in der Regel vier), die sie umrunden möchten, bevor sie zum Startpunkt zurückkehren.
LERNZIELE
Die SuS können:
- eine bestimmte Zeit ohne Unterbruch laufen und diese, je nach Leistungsniveau, in jeder Lektion um ein bis zwei Minuten steigern.
- im gleichmässigen Tempo laufen: Anzahl Schritte pro Minute, Atmung im Rhythmus der Laufschritte.
- in leistungshomogenen Teams laufen, um sich gegenseitig zu unterstützen.
- in leistungsgemischten Teams laufen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
RAHMENBEDINGUNGEN (REGELN, VORSCHRIFTEN UND ORGANISATION)
Vorbemerkung
Die Durchführung der summativen Beurteilung erfordert mindestens 70 Minuten. Entsprechend ist es notwendig, zwei aufeinanderfolgende Lektionen dafür einzuplanen.
ANWEISUNGEN DER LEHRPERSON UND ORGANISATION
Alle SuS laufen im Minimum die Anzahl Minuten entsprechend ihrem Alter ohne Anhalten, um das Mindestziel zu erreichen.
Kreuzen sich die SuS, dann laufen sie rechts vorbei (Laufrichtung: gegen den Uhrzeigersinn).
Startet eine Schülerin oder ein Schüler zu einer weiteren Laufrunde, so erhöht sich entsprechend die Laufzeit und sie wird für sie bzw. ihn, sowie für das Team angerechnet.
Die Gesamtzeit des Teams entspricht der Summe der individuellen Laufzeiten.
REGELN
Vor dem Lauf
Nachdem die Lehrperson den SuS die Modalitäten der summativen Beurteilung erklärt hat, macht sie ein gemeinsames Aufwärmen von 10 Minuten. Falls noch nicht geschehen, teilt sie die sechs Teams in die beiden Laufserien ein und lässt die Teams ihre Strategie selbst organisieren.
Die Beobachter:innen werden den Läufer:innen zugeteilt und sind mit dem individuellen Beurteilungsbogen ihrer Athletin bzw. ihres Athleten ausgerüstet.
Die vier SuS eines Teams haben 5 Minuten Zeit für die Strategieplanung. Sie tauschen sich über ihre aktuelle Form, ihre persönlichen Ziele und das gewünschte Teamziel aus.
Sie füllen ihren persönlichen Lauf-Beurteilungsbogen aus, indem sie ihren Formzustand, die gewählte Strecke und ihr persönliches Ziel eintragen (ohne zu gehen oder anzuhalten).
Drei Teams starten gleichzeitig und werden während der gesamten Dauer des Laufes (15 Minuten) von den drei pausierenden Teams beobachtet und beurteilt. Anschliessend werden die Rollen getauscht.
Während des Laufs
Die SuS stoppen die Laufzeiten ihrer Athletin bzw. ihres Athleten.
Nach dem Lauf
Am Ende des Durchgangs erfassen die Beobachter:innen die Laufzeiten und berechnen die gesamte Team-Laufzeit. Zudem halten sie den emotionalen Zustand (ein persönliches Empfinden) ihrer Athletin bzw. ihres Athleten fest.
Anschliessend füllen die SuS den persönlichen Beurteilungsbogen aus.
Nach Abschluss beider Durchgänge führt die Lehrperson eine gemeinsame Bilanz durch.
BENÖTIGTES MATERIAL
Pro Team
- mehrere Zeitmesser (Uhr, Handy, Tablet usw.)
- ein Ergebnisblatt
- mehrere Schreibstifte
- Lernjournal
| 1. Begrüssung und Erklärungen | 5' | | | 5. Ausfüllen des Bogens und Wechsel | 5’ |
| 2. Aufwärmen 1. Serie | 5’ | | | 6. Aufwärmen 2. Serie | 5’ |
| 3. Vorbereitung in jedem Team | 5’ | | | 7. 2. Durchgang des Laufes | 15’ |
| 4. 1. Durchgang des Laufes | 15’ | | | 8. Ausfüllen des Bogens und Bilanz | 15’ |
Beurteilungskriterien und beobachtbare Indikatoren
Die im Raster fett gedruckten Indikatoren werden anhand der Notenskala beurteilt und anschliessend in Punkte umgerechnet:
Ja = 3 Pkte +/- = 2 Pkte Nein = 1 Pkt
Durch das Redaktionsteam empfohlene, genügende Leistung: 10 von 15 Punkte
Skala: 6 = 15 - 14 Pkte 5 = 13 - 12 Pkte 4 = 11 - 10 Pkte 3 = 9 - 5 Pkte
Aufgabenvorschläge
Die folgenden Aufgaben werden in einem speziellen Dokument präziser und umfassender dargestellt. Diese sind in der Rubrik Unterrichtshilfen für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen zu finden.
Ich laufe wie ein Metronom in einer leistungshomogenen Gruppe.
Die SuS jeder Untergruppe laufen gemeinsam im Tempo der langsamsten Person, indem sie auf ihre Atmung achten, den gleichen Laufrhythmus einhalten und sich mit ihren Mitschüler:innen austauschen.
Ziel ist es zudem, verschiedene Atemrhythmen sowie kleinere oder grössere Schritte auszuprobieren, um herauszufinden, was für jede Schülerin und jeden Schüler am besten geeignet ist.
Wenn eine Schülerin bzw. ein Schüler nicht mehr sprechen kann, bedeutet dies, dass sie bzw. er in einem zu hohen Tempo läuft.
Das Laufen in leistungshomogenen Teams ermöglicht es, ein gleichmässiges Tempo anzustreben.
Ich verfolge das Ziel meines Teams in einer leistungsgemischten Gruppe.
In einer leistungsgemischten Gruppe laufen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, welches sich die SuS für die Dauer der Lektion setzen.
Der aktuelle emotionale und körperliche Zustand soll den Mitschüler:innen mitgeteilt werden, um das gemeinsame Ziel festzulegen.
Die Wahl der Laufstrecken steht den Teams und den SuS frei.
Interessant wird es, wenn eine Schülerin oder ein Schüler das gleichmässige Tempo nicht mehr halten kann und das gemeinsame Ziel nur durch eine Anpassung der Teamstrategie erreicht werden kann, zum Beispiel durch eine Veränderung des Lauftempos.
Ich laufe in meinem Wohnquartier.
Im eigenen Wohnquartier regelmässig mit bewusster Atmung und angepasstem Tempo laufen – alleine, mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler oder mit einem Familienmitglied. Ziel ist es, sich bewusst zu machen, dass regelmässiges Laufen die Lungen- und Herzkapazität steigert und dadurch die Dauer des durchgehenden Laufens nach und nach verbessert.
AUSDAUER ANDERS TRAINIEREN
Ich orientiere mich beim Laufen.
Sich mithilfe eines Plans oder einer Karte laufend im Raum orientieren Die Steigerung der Lungen- und Herzkapazität kann in verschiedenen Sportarten erfolgen, wie zum Beispiel beim Schwimmen, Fahrradfahren oder beim Orientierungslauf (OL). Für die Lehrperson ist die Gestaltung des OL oft spielerischer und die SuS nehmen die langen Laufzeiten nicht immer bewusst wahr. Es wird derselbe Parcours wie bei der Anwendungssituation vorgeschlagen, jedoch müssen die SuS die Markierungen in einer bestimmten Reihenfolge anlaufen.
Bibliografische Hinweise, Weblinks und Musiknachweise
LITERATUR
- Bucher, W., et al. (1998). Lehrmittel Sporterziehung. Band 1: Grundlagen. Eidgenössische Sportkommission.
- Bucher, W., et al. (1999). Lehrmittel Sporterziehung. Band 3: 1.-4. Schuljahr. Eidgenössische Sportkommission.
- Bucher, W., et al. (1999). Lehrmittel Sporterziehung. Band 4: 4.-6. Schuljahr. Eidgenössische Sportkommission.
- Dubois, B., & Berg, F. (2019). La clinique du coureur : la santé par la course à pied. Mons.
- Heubi, B. (2008) Courir longtemps : les clés pour réussir, du débutant au coureur confirmé. C.Geoffroy. ISBN : 9782951397163
- Millet, G. (2006). L’endurance. Revue EPS.
- Bertschi, P., & Fust, D. (2024). Dossier 03/2024 mobilesport.ch, Running. Bundesamt für Sport BASPO.
WEBLINKS
- Unterrichtshilfen des SEPS (Kanton Waadt):
https://ressources-eps-vd.ch/?s=endurance+courir+longtemps - Orientierungslauf – Sich sicher orientieren für Kinder, BASPO, 2019:
Monatsthema 04/2019: «Orientierungslauf – Sich sicher orientieren für Kinder» mobilesport.ch